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Bewerbung

Netzwerk und Vereinsleben als Weg zum Job

In einer überschaubaren Gegend werden viele Stellen besetzt, bevor sie ausgeschrieben werden. Wer daran teilhaben will, muss nicht taktieren – aber er muss anwesend sein.

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Es gibt einen Satz, den man in dieser Gegend oft hört und der meistens falsch verstanden wird: „Hier läuft alles über Kontakte." Gemeint ist nicht Vetternwirtschaft. Gemeint ist eine schlichte Tatsache über kleine Arbeitsmärkte: Wenn ein Arbeitgeber jemanden braucht, fragt er zuerst die Leute, die er kennt. Nicht weil er Bewerbungen scheut, sondern weil eine Empfehlung ein Risiko senkt, das er sich nicht leisten kann.

Warum das hier stärker wirkt

Ein Betrieb mit vierzig Beschäftigten kann sich eine Fehlbesetzung schlechter leisten als ein Haus mit viertausend. Es gibt keine andere Abteilung, in die man jemanden versetzen könnte, und die Einarbeitung kostet die Zeit von Leuten, die keine übrig haben. Eine Empfehlung durch jemanden, dem man vertraut, ist deshalb keine Gefälligkeit, sondern eine Prüfung, die bereits stattgefunden hat.

Dazu kommt die Geografie. In einer Millionenstadt kennt man seine Nachbarn nicht. In einer Gegend, in der die Orte überschaubar sind und man sich beim Bäcker, am Spielfeldrand und auf dem Elternabend begegnet, entstehen diese Verbindungen von selbst – wenn man sich zeigt.

Und schließlich: Viele Stellen werden hier gar nicht erst ausgeschrieben, besonders im Handwerk und in kleinen Dienstleistungsbetrieben. Der Beitrag zum Handwerk in der Fläche beschreibt, warum das so ist. Wer nur auf Ausschreibungen wartet, wartet also auf den Rest.

Was ein Netzwerk hier tatsächlich ist

Vergessen Sie das Bild vom Netzwerken als Sammeln von Visitenkarten. In dieser Gegend besteht ein tragfähiges Netz aus vier Sorten von Menschen, und die wenigsten davon sammelt man auf Veranstaltungen.

Die erste Sorte sind ehemalige Kollegen. Sie sind der wertvollste Teil, weil sie Ihre Arbeit kennen und dafür einstehen können. Wer beim Ausscheiden aus einem Betrieb Brücken stehen lässt, hat davon Jahre später etwas – ein Grund mehr, Abschiede sorgfältig zu gestalten, wie der Beitrag über die Absage und das Wiedersehen zeigt.

Die zweite sind Menschen aus dem Ort, die in anderen Feldern arbeiten. Sie können Sie nicht empfehlen, aber sie wissen Dinge: dass ein Betrieb expandiert, dass jemand in Rente geht, dass ein Haus den Inhaber wechselt. Diese Informationen sind vor jeder Ausschreibung verfügbar.

Die dritte sind Menschen mit Überblick über viele Betriebe: Steuerberater, Handwerker, die überall arbeiten, Mitarbeiter von Kammern und Innungen, Ärzte, Lehrer. Sie sitzen an Kreuzungspunkten und wissen deshalb überdurchschnittlich viel.

Die vierte sind die Vereine. Feuerwehr, Sportverein, Chor, Förderverein, Kirchengemeinde: Hier treffen sich Menschen über Berufs- und Altersgrenzen hinweg, und zwar regelmäßig und ohne Anlass. Genau deshalb entstehen dort Verbindungen, die belastbarer sind als jeder professionelle Kontakt.

Der Verein ist kein Werkzeug

An dieser Stelle muss man deutlich werden, weil der Rat sonst schadet. Wer einem Verein beitritt, um darüber an einen Job zu kommen, wird durchschaut, und zwar schnell. Ein Vereinsleben funktioniert über Gegenseitigkeit und über Jahre; wer nur nimmt, fällt auf.

Der richtige Gedanke ist umgekehrt. Menschen, die sich in ihrem Ort engagieren, haben nebenbei ein Netz – nicht, weil sie es aufgebaut haben, sondern weil es sich ergeben hat. Wenn Sie ohnehin in dieser Gegend wohnen bleiben wollen, ist das Engagement für sich genommen sinnvoll, und der berufliche Nutzen ist ein Nebenprodukt. Behandeln Sie ihn auch so.

Wer arbeitsrechtlich wissen will, wie ein Ehrenamt von einer Beschäftigung abzugrenzen ist – gerade wenn eine Aufwandsentschädigung fließt oder der Umfang wächst –, findet das im Beitrag zu Ehrenamt und Arbeitsverhältnis.

Wie man ein Netz benutzt, ohne es zu verbrauchen

Drei Regeln, die sich in kleinen Märkten bewährt haben.

Erstens: Fragen Sie nach Informationen, nicht nach Stellen. „Weißt du, wer bei euch für die Instandhaltung zuständig ist?" ist eine beantwortbare Frage. „Hast du einen Job für mich?" bringt den anderen in eine Lage, aus der er nur mit Bedauern herauskommt – und beendet das Gespräch.

Zweitens: Melden Sie sich nicht erst, wenn Sie etwas brauchen. Ein Kontakt, der zwei Jahre schweigt und dann anruft, weil er arbeitslos ist, ist kein Kontakt, sondern ein Anliegen. Ein kurzer Gruß zwischendurch kostet nichts.

Drittens: Machen Sie es dem anderen leicht. Wer Sie empfehlen soll, muss in einem Satz sagen können, was Sie machen und was Sie suchen. Wenn er dafür nachdenken muss, empfiehlt er Sie nicht.

Und eine vierte, die eigentlich die wichtigste ist: Was Sie über das Netz erfahren, ersetzt die Bewerbung nicht. Es verschafft Ihnen nur den Vorsprung, sich zu bewerben, bevor andere es tun – und die Unterlagen müssen dann trotzdem überzeugen. Wie sie bei einem lokalen Arbeitgeber gelesen werden, beschreibt der Beitrag dazu, was der lokale Arbeitgeber anders liest.

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Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen nach Ort geordnet – von Bad Homburg und Oberursel bis Idstein und Bad Schwalbach – und dahinter die Häuser, die sie ausschreiben.

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