Es gibt eine Art von Arbeitgeber, die in keiner Branchenauswertung angemessen vorkommt, weil sie kaum Anzeigen schaltet: den Handwerksbetrieb mit einer Handvoll Beschäftigten. Im Taunus gibt es davon viele, verteilt über die Orte beider Kreise, und sie suchen fast immer Leute. Nur eben nicht dort, wo man gewohnheitsmäßig nachsieht.
Warum diese Stellen unsichtbar sind
Ein Betrieb mit acht Beschäftigten hat keine Personalabteilung. Er hat einen Inhaber, der abends die Angebote schreibt, und für den ist eine Stellenanzeige eine Aufgabe, die er vor sich herschiebt. Wenn jemand geht, fragt er zuerst die Kollegen, dann die Innung, dann den Lieferanten, dann den Nachbarbetrieb – und erst wenn nichts davon hilft, schreibt er aus.
Das heißt: Der Weg über Anzeigen erreicht diese Betriebe systematisch zu spät. Eine Stelle, die ausgeschrieben wird, ist eine Stelle, die vorher niemand aus dem Bekanntenkreis besetzen konnte. Wer sich darauf beschränkt, sieht nur den Rest.
Daraus folgt der wichtigste Rat für dieses Feld: Bewerben Sie sich, bevor eine Stelle existiert. Eine Initiativbewerbung ist in einer Großstadt ein Schuss ins Dunkle; in einem Betrieb, der ohnehin ständig sucht, ist sie ein Angebot zur richtigen Zeit. Wie man sie aufbaut, damit sie nicht wie ein Serienbrief wirkt, steht im Beitrag zur Initiativbewerbung.
Wie man die Betriebe findet
Der Umweg über die Kundenseite funktioniert besser als die Suche nach Arbeitgebern. Wer wissen will, welche Elektrobetriebe im Umkreis arbeiten, schaut nicht in ein Stellenportal, sondern dorthin, wo Kunden nach ihnen suchen: Innungs- und Kammerverzeichnisse, kommunale Gewerbeverzeichnisse, die Beschriftung auf den Fahrzeugen, die morgens in den Orten stehen. Das klingt altmodisch und ist erstaunlich wirksam.
Der zweite Weg führt über die Baustelle. In einer Gegend mit viel Bestand und laufender Sanierung ist sichtbar, wer arbeitet. Ein Bauschild nennt die beteiligten Gewerke, und ein Gerüst nennt die Firma. Wer bereit ist, einmal stehen zu bleiben und zu fragen, spart sich zwanzig Bewerbungen.
Der dritte Weg ist der über Menschen. Im Taunus ist er belastbarer als in der Stadt, weil die Wege kurz sind und die Kreise sich überschneiden. Wie sich das nutzen lässt, ohne aufdringlich zu werden, beschreibt der Beitrag zu Netzwerk und Vereinsleben.
Was ein kleiner Betrieb anders macht
Der Unterschied zum großen Arbeitgeber beginnt beim Einstellen und hört beim Arbeitsvertrag nicht auf.
Beim Einstellen zählt weniger das Papier und mehr der Eindruck. Ein Inhaber, der selbst mit auf der Baustelle steht, sucht jemanden, mit dem er acht Stunden im Lieferwagen sitzen kann. Zeugnisse werden gelesen, aber sie entscheiden nicht. Das ist eine Chance für alle, deren Lebenslauf nicht geradlinig ist – und eine Hürde für alle, die sich hinter Formulierungen verstecken.
Bei der Organisation gilt das Gegenteil von dem, was man aus großen Häusern kennt. Es gibt keine Vertretungsregel, keine Stellenbeschreibung und keinen Prozess. Man macht, was anfällt, und lernt dabei mehr Handgriffe als in einem arbeitsteiligen Betrieb. Wer Struktur braucht, leidet darunter. Wer Selbständigkeit will, bekommt sie früh.
Und bei den Rahmenbedingungen lohnt das genaue Hinsehen. Kleine Betriebe sind nicht automatisch schlechte Arbeitgeber – viele zahlen nach Tarif oder in Anlehnung daran und halten sich sehr genau an Arbeitszeit und Urlaub. Aber manches, was in einem Konzern selbstverständlich geregelt ist, ist hier nicht geregelt, weil es nie jemand aufgeschrieben hat. Fragen Sie nach: Wie werden Fahrzeiten zur Baustelle behandelt? Wann beginnt die Arbeitszeit – am Betriebshof oder am Einsatzort? Der Beitrag zu Arbeitszeit und Fahrzeit erklärt, warum diese Frage mehr als eine Formalie ist.
Der Vorteil, der bleibt
Ein Handwerksbetrieb im Taunus hat gegenüber einem Frankfurter Arbeitgeber eine Eigenschaft, die sich schwer aufwiegen lässt: Er ist da, wo Sie wohnen. Der Arbeitsweg beträgt oft Minuten, das Fahrzeug steht am Haus, und die Frage nach Bahnverbindungen stellt sich gar nicht. Für Haushalte mit Kindern und festen Betreuungszeiten ist das keine Kleinigkeit, sondern der Unterschied zwischen einem funktionierenden und einem dauernd knappen Tag.
Dazu kommt eine Marktlage, die auf absehbare Zeit auf der Seite der Bewerber liegt. Wer eine abgeschlossene Ausbildung in einem Bauhandwerk, in der Haustechnik, im Metall- oder Elektrobereich hat, ist in dieser Gegend gesucht. Das verändert die Verhandlungsposition – nicht bei allem, aber bei den Dingen, die ein Inhaber selbst entscheiden kann: Arbeitszeitlage, Fahrzeug, Werkzeug, Weiterbildung.
Und schließlich der Weg nach vorn. Im Handwerk führt er nicht über Hierarchieebenen, sondern über Qualifikation: Vorarbeiter, Meister, später vielleicht der eigene Betrieb. Gerade in einer Gegend, in der Betriebe Nachfolger suchen, ist der letzte Schritt realistischer, als er klingt. Was dabei zu bedenken ist, behandelt der Beitrag zum Weg in die Selbständigkeit.
Und was ist gerade in Ihrer Nähe offen?
Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen nach Ort geordnet – von Bad Homburg und Oberursel bis Idstein und Bad Schwalbach – und dahinter die Häuser, die sie ausschreiben.