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Karriere

Was der Weg nach Frankfurt wirklich kostet

Wer im Taunus wohnt, hat bei fast jeder Stelle zwei Angebote vor sich: eines vor der Haustür und eines in der Stadt. Die Entscheidung fällt selten am Gehalt, sondern an drei Posten, die man getrennt rechnen sollte.

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Zwei Zusagen auf dem Tisch, eine aus Bad Homburg, eine aus dem Frankfurter Bankenviertel. Das übliche Vorgehen ist, die beiden Zahlen unter dem Wort „Gehalt" zu vergleichen und die größere zu nehmen. Das übliche Vorgehen ist falsch, weil es die eine Größe unterschlägt, die den Unterschied zwischen beiden Angeboten erst erklärt: den Weg.

Der Weg ist keine einzelne Zahl. Er ist drei Zahlen, und sie verhalten sich völlig verschieden. Zwei davon lassen sich ausrechnen, die dritte merkt man erst nach einem halben Jahr.

Die Zeit ist der größte Posten

Rechnen Sie nicht in Minuten, rechnen Sie in Wochen. Ein Weg, der morgens und abends zusammen eine Stunde mehr verbraucht als der Weg zum Arbeitgeber vor Ort, kostet bei fünf Arbeitstagen fünf Stunden in der Woche. Über ein Arbeitsjahr wird daraus ein Betrag, den niemand freiwillig auf einen Vertrag schreiben würde.

Wichtig ist dabei, dass diese Zeit keine Arbeitszeit ist. Sie wird in aller Regel nicht vergütet, und arbeitszeitrechtlich zählt sie ebenfalls nicht mit. Für die Entscheidung heißt das: Der Weg wird vom Feierabend abgezogen, nicht vom Arbeitstag.

Wie lange eine bestimmte Verbindung tatsächlich dauert, hängt vom Wohnort, vom Ziel in Frankfurt, von der Tageszeit und vom Verkehrsmittel ab. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Was es gibt, ist ein sinnvoller Test: Fahren Sie die Strecke einmal an einem gewöhnlichen Dienstagmorgen ab, bevor Sie unterschreiben, und nicht sonntags um elf.

Das Geld lässt sich ausrechnen

Der zweite Posten ist der ehrlichste, weil er sich belegen lässt. Auf der Habenseite steht die Entfernungspauschale: Der Gesetzgeber lässt Sie die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte als Werbungskosten abziehen, und zwar seit dem 1. Januar 2026 mit 0,38 Euro je vollem Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer. Wie sich daraus ein Betrag ergibt, welche Strecke maßgeblich ist und warum der Abzug nicht dasselbe ist wie eine Erstattung, beschreibt der Beitrag zur Entfernungspauschale.

Auf der Sollseite steht, was der Weg tatsächlich verschlingt. Bei der Bahn ist das der Fahrpreis, und der kann ganz oder teilweise beim Arbeitgeber liegen: Zuschüsse zu Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind unter einer bestimmten Bedingung steuerfrei, nachzulesen im Beitrag zum Jobticket. Beim Auto sind es Kraftstoff, Verschleiß, Versicherung, Stellplatz – und der Stellplatz ist in Frankfurt selten billig.

Vergleichen Sie an dieser Stelle nicht Bruttogehälter, sondern das, was am Monatsende übrig bleibt, nachdem der Weg bezahlt ist. Bei einer Stelle vor Ort ist dieser Abzug oft nahe null. Das verschiebt den Vergleich häufig weiter, als die Gehaltszeile vermuten lässt.

Der dritte Posten steht auf keiner Abrechnung

Die Belastung ist die Größe, die sich der Rechnung entzieht und trotzdem über das Bleiben entscheidet. Sie besteht nicht aus der Dauer allein, sondern aus der Zuverlässigkeit. Ein Weg, der planbar vierzig Minuten dauert, ist erträglich. Ein Weg, der meistens vierzig Minuten dauert und einmal in der Woche neunzig, zermürbt – weil man ihn jeden Morgen für neunzig einplanen muss.

Dazu kommt, was der Weg mit dem Rest des Tages macht. Der Kindergarten schließt zu einer festen Uhrzeit. Die Übergabe in der Klinik beginnt zu einer festen Uhrzeit. Eine Verbindung, die zwischen diese beiden Uhrzeiten passt, ist mehr wert als eine, die zehn Minuten schneller ist und nicht passt.

Und schließlich: Ein Weg ist keine Konstante über zwanzig Jahre. Er wird schwerer, wenn ein Kind kommt, wenn ein Elternteil zu pflegen ist, wenn das zweite Auto wegfällt. Wer heute entscheidet, entscheidet für einen Lebensabschnitt und nicht für immer.

Was die Rechnung übersieht

Zwei Dinge gehören noch in die Betrachtung, und beide sprechen nicht automatisch für eine Seite.

Das erste ist der Markt. Frankfurt ist größer, und größer heißt in diesem Fall: mehr Stellen, mehr Spezialisierung, mehr Wechselmöglichkeiten ohne Umzug. Wer einen engen Beruf hat, findet ihn vor Ort womöglich nur bei zwei Arbeitgebern – und dann ist der Weg nicht der Preis für ein höheres Gehalt, sondern der Preis dafür, den Beruf überhaupt ausüben zu können. Welche Felder im Taunus tatsächlich Personal suchen, zeigt der Beitrag zu den Branchen vor Ort.

Das zweite ist der dritte Weg. Zwischen „jeden Tag in die Stadt" und „gar nicht in die Stadt" liegt die Frage, an wie vielen Tagen der Weg überhaupt anfällt. Zwei Tage Büro und drei Tage zu Hause ergeben eine völlig andere Rechnung als fünf Tage Büro – steuerlich, zeitlich und in der Belastung. Was dabei arbeitsrechtlich gilt und was Sie vor der Zusage klären sollten, behandelt der Beitrag zum Homeoffice.

Die Entscheidung zwischen einer Stelle in Frankfurt und einer im Taunus ist selten eine Entscheidung über Geld. Sie ist eine Entscheidung darüber, wie viel Lebenszeit Sie bereit sind, in eine Bewegung zu investieren, die nichts produziert. Diese Frage darf jeder für sich anders beantworten. Man sollte sie nur gestellt haben, bevor man unterschreibt.

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