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Bewerbung

Die Absage in einer Gegend, in der man sich wiedertrifft

In einer Millionenstadt ist eine Absage das Ende einer Beziehung. In einem überschaubaren Arbeitsmarkt ist sie eine Unterbrechung – und wie man auf sie reagiert, entscheidet über die nächste Runde.

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Eine Absage aus Frankfurt kann man wegwerfen. Man wird dem Haus nie wieder begegnen, der Personalreferentin schon gar nicht, und in einem Markt mit Tausenden von Arbeitgebern ist eine Tür, die zugeht, statistisch bedeutungslos.

Im Taunus ist das anders, und zwar aus einem nüchternen Grund: Es gibt in jedem Fach nur eine Handvoll Arbeitgeber. Wer sich bei dreien bewirbt und bei allen dreien den Ton vergreift, hat seinen lokalen Arbeitsmarkt auf null reduziert. Wer es richtig macht, hat nach der Absage drei Kontakte mehr als vorher.

Was hinter einer Absage steckt

Der erste Schritt ist, sie nicht zu überinterpretieren. In kleinen Verfahren entscheiden regelmäßig Gründe, die nichts mit Ihnen zu tun haben: Es gab einen internen Kandidaten. Die Stelle wurde anders zugeschnitten. Der Inhaber hat sich entschieden, vorerst niemanden einzustellen. Jemand, der schon einmal dort gearbeitet hat, ist zurückgekommen.

In einem überschaubaren Markt sind genau diese Gründe häufiger als in einem großen, weil weniger Verfahren stattfinden und jedes einzelne stärker von Zufällen abhängt. Eine Absage ist deshalb selten ein Urteil über Ihre Eignung – sie ist eine Aussage über eine bestimmte Stelle zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Das ist keine Vertröstung, sondern der Grund dafür, dass sich die zweite Bewerbung bei demselben Haus lohnt. Vorausgesetzt, die erste hat keinen schlechten Eindruck hinterlassen.

Die kurze Antwort, die fast niemand schreibt

Das wirksamste Werkzeug nach einer Absage ist drei Sätze lang. Danken Sie für die Rückmeldung. Sagen Sie, dass Sie an dem Haus weiterhin interessiert sind. Bitten Sie darum, sich wieder melden zu dürfen, falls sich etwas ergibt.

Das ist keine Taktik, sondern schlicht selten. Die allermeisten Bewerber antworten auf eine Absage gar nicht. Wer es tut, bleibt in Erinnerung – und zwar als jemand, der sich auch dann ordentlich verhält, wenn er nichts bekommt. Bei einem Arbeitgeber, der in sechs Monaten wieder sucht, ist das genau die Erinnerung, die zählt.

Fragen Sie in derselben Nachricht nach dem Grund, aber ohne Rechtfertigungsdruck aufzubauen. Eine Formulierung wie „falls Sie mir einen Hinweis geben können, woran es lag, wäre mir das für die Zukunft hilfreich" wird erstaunlich oft beantwortet, gerade bei kleinen Arbeitgebern, bei denen die Absage von der Person kommt, die entschieden hat. Ein Anspruch auf eine Begründung besteht nicht – erwarten Sie also keine, und nehmen Sie eine ausbleibende Antwort nicht persönlich.

Drei Reaktionen, die langfristig schaden

Die erste ist die Empörung. Eine Nachricht, in der Sie erklären, warum die Entscheidung falsch war, erreicht nichts und wird in einem kleinen Kreis weitererzählt. Der Gedanke, dass so etwas folgenlos bleibt, stimmt in einer Großstadt und hier nicht.

Die zweite ist das Drängen. Eine Nachfrage nach zwei Wochen ist angemessen, eine zweite nach vier Wochen noch vertretbar, alles darüber verändert das Bild, das man von Ihnen hat. Das gilt auch für Initiativbewerbungen, wie der Beitrag zur Initiativbewerbung ausführt.

Die dritte ist das Verschwinden. Wer nach einer Absage den Kontakt vollständig abbricht, verliert den Zugang zu einem Arbeitgeber, der nicht Nein zu Ihnen gesagt hat, sondern Nein zu dieser einen Besetzung.

Die Gegenrichtung: wenn Sie absagen

Derselbe Mechanismus wirkt, wenn Sie das Angebot ablehnen oder ein Arbeitsverhältnis beenden. In einer Gegend, in der die Häuser einer Branche einander kennen und Beschäftigte zwischen ihnen wechseln, ist die Art des Abgangs eine Information, die mitreist.

Sagen Sie deshalb persönlich ab, nicht per Formularmail, und geben Sie einen echten Grund an. Wenn Sie sich für einen anderen Arbeitgeber entschieden haben, sagen Sie das – niemand nimmt es übel, dass jemand ein besseres Angebot annimmt. Übel genommen wird das Ausweichen.

Dasselbe gilt für die Kündigung. Wer einen Betrieb ordentlich verlässt, hat dort Menschen, die Jahre später für ihn sprechen. In einem kleinen Markt ist das der wertvollste Besitz überhaupt, wie der Beitrag zu Netzwerk und Vereinsleben beschreibt.

Was nach einer Serie von Absagen zu tun ist

Wenn mehrere Absagen aufeinanderfolgen, lohnt sich die Frage, ob nicht die Unterlagen, sondern der Zuschnitt das Problem ist. In einem lokalen Arbeitsmarkt kann ein Beruf schlicht zu eng sein, um hier ausgeübt zu werden – dann hilft keine bessere Bewerbung, sondern eine andere Suche: eine breitere Fachrichtung, ein benachbartes Feld oder eben doch der Weg in die Stadt.

Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Bewerbung für den richtigen Leser geschrieben ist. Unterlagen, die in einem Konzernverfahren gut funktionieren, können bei einem Inhaber mit vierzig Beschäftigten regelmäßig durchfallen, ohne dass jemand Ihnen sagt, warum. Woran das liegt, behandelt der Beitrag dazu, was der lokale Arbeitgeber anders liest.

Und schließlich: Geben Sie den Häusern, die abgesagt haben, eine zweite Gelegenheit. In einem Markt mit wenigen Arbeitgebern ist die Wiederbewerbung nach einem halben Jahr kein Zeichen von Verzweiflung, sondern von Beharrlichkeit – vorausgesetzt, Sie haben in der Zwischenzeit etwas vorzuweisen.

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